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Regeln und Prämissen

Frieden machen lernen      11:                   Frieden ist schwer zu machen

Am Ende finden alle Menschen Frieden, nicht nur solche, die ihn in Gott suchen.Wir landen alle in der Erde, auf dem Gottesacker, auch bei Seebestattungen.
Keiner kann uns dann noch etwas antun, und wenn es jemand tut, spüren wir es nicht. Wir drehn uns als Elementarteilchen im Grabe und lächeln.

Friede auf Erden ist nicht so einfach, weil er nicht selbstverständlich, nicht natürlich für alles Lebendige ist. Der Tod ist allgegenwärtig. Werden und vergehn bedingen sich gegenseitig. Natur ist nicht friedlich.
Wenn Menschen nach Frieden auf Erden streben, müssen sie ihn nicht nur wollen, sie müssen ihn machen, auch wenn es dem Nachbarn nicht gefällt, der sich nicht für böse hält und es eigentlich noch nicht mal ist. Er verhält sich nur so, dass wir ihn böse nennen. Häufig tut er gar nichts, was uns schaden könnte. Er oder es sieht nur so aus, wir befürchten es. Unsere Furcht, unser Vorurteil und zugleich unser Verhalten ist es, was zu Unfrieden führt.
Friedenmachen ist harte Arbeit – an uns, für uns, zu unserem Vorteil und zum Vorteil für alle anderen, nicht nur Menschen.
Alles Lebendige in seiner Gesamtheit ist darauf angewiesen, sonst stirbt es vor der Zeit.

Aber nur wir Menschen haben die Fähigkeiten zu erkennen, wie Frieden geht, zu lernen, wie er gemacht werden kann und wir haben die Mittel, das praktisch zu realisieren.
Wir sind auch in der Lage, unsere Vorstellungen davon kurzfristig zu ändern, wenn sie der nachfolgenden Realität nicht entsprechen. Wir könnten schnell aus Fehlern lernen, tun es oft aber nicht.
Während der Evolution vor der Menschenära war das ein langer, mühseliger Prozess aus Leben und Sterben, ehe die Verhaltensinformation formatiert und in der Datenbank des Genoms fixiert war, um als angeborenes Verhaltensmuster für die Nachkommen verfügbar zu sein.
4 Milliarden Jahre dauerte es nach heutigen begründeten Vorstellungen der Evolutionstheorie. Nur mit zufälliger Mutation im Genom, ohne Kooperation als Verhaltensmuster, hätte es nach jüngsten Berechnungen von Evolutionsforschern noch sehr viel länger gedauert.
Diese Fähigkeit von uns Menschen gibt mir die Hoffnung, dass wir es schaffen könnten, die vielen Hinweise aus Erfahrung wie Frieden zu machen wäre, die es im schriftlichen Nachlass der Menschheit gibt, endlich mit dieser Zielstellung auszuprobieren, zu überprüfen – und das nicht länger mit kriegerischen Mitteln, wie Machtpolitik, Herrschaft und Gewalt.

Ein Schlüssel, den wir probieren sollten, ist Verhaltensänderung durch Änderung von Prämissen und Änderung von Regeln für Verhalten.

Ein Beispiel:
Wir haben Werkzeuge zu Waffen umfunktioniert und sie immer weiter „verbessert“, das Töten effizienter gemacht, weil wir andere, nicht nur Menschen, damit zwingen können, uns zu unserem Nutzen zu Willen zu sein. Oft ist unser Nutzen ein Schaden für die Anderen.
Kriegswaffen, die wir exportieren, weil das Arbeitsplätze hier im Lande schafft, weil das „Wachstum“ vom BIP auch davon abhängt, weil nicht nur Reiche was daran verdienen etc., werden in Kriegen benutzt, in denen auch „unsere“ Soldaten sterben, wenn unsere Regierung und unser Parlament sie dahin schicken.

Doch nicht nur das, Waffen töten auch ohne Krieg, nur durch ihr bloßes Vorhandensein.
Geld, das sie kosten, Geld aus unseren Steuern, welches unsere Regierung dafür ausgibt, weil es unser Parlament so beschlossen hat, fehlt unseren Kindern, fehlt den Kindern in den armen Ländern noch viel mehr, weil deren Regierungen das genau so machen wie unsere. Aber es sind unsere Waffen, die sie kaufen.
Jährlich sterben über 6 Millionen Kinder unter 5 Jahren an Hunger und vermeidbaren Krankheiten weltweit, weil ihren Eltern kein Geld für Nahrung, sauberes Wasser, Hygiene und Medikamente, für Bildung zur Verfügung steht.
http://www.unicef.de/presse/2014/eine-million-neugeborene-sterben-an-ihrem-ersten-lebenstag/56930

Gegenseitiger Vorteil nicht zum Schaden Dritter wäre eine Prämisse. Waffen abschaffen wäre eine Regel, die zum Gesetz erhoben werden kann.
Dazu gehört dann auch, Werkzeuge nur so zu gebrauchen, dass anderen kein Schaden entsteht und Vorteilsnahme durch verbesserte Werkzeuge minimiert wird, weil diese umgehend den anderen zugänglich gemacht werden, gegenseitiger Vorteil eben, Kooperation statt Konkurrenz, Meistbegünstigung generell und nicht nur unter Freihändlern.
Vielleicht würde dann „Fortschritt“ entschleunigt, das wäre nicht schlecht.

Geld ist so ein Werkzeug.
rto.141122

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Regelwerk ändern

Friedenmachen lernen      9:                Haben oder Sein

Der in nicht enden wollender Abfolge zitierte Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, auf seine Grundelemente hin untersucht, stellt sich als viel älter heraus, als es der Kapitalismus je sein könnte. Er ist dann der Widerspruch zwischen den Vielen, die nichts oder gar nichts haben und sich alltäglich verdingen müssen, um ihre Kinder satt zu kriegen, im Leben zu halten, groß werden zu lassen – und den Wenigen, die Eigentum und die Macht haben, den Vielen zu sagen, was sie tun sollen, tun müssen.
Es ist der Grundwiderspruch zwischen Haben und Sein, zwischen Reich und Arm, Kooperation und Teilhabe, Gesellschaft und Gemeinschaft, zwischen Herrschaft durch Gewalt, Macht und Beherrschten, Meistbegünstigung und Solidarität, zwischen dem privaten Zugriff auf alle Naturressourcen und Lohnabhängigkeit.
Der Kapitalismus im engeren Sinne ist dabei nur eine Etappe der technologischen Evolution, deren letztes Stadium der neoliberale Finanzkapitalismus als Folge der industriellen IT-Revolution ist, die ihn am Ende auch ad absurdum führen wird.

Der Samen, aus dem Kapitalismus keimte, wurde vor 5.000 Jahren gelegt, als in Mesopotamien Geld, Kredit und Zins erfunden worden war, als das Fundament für „Märkte“ gegründet wurde.
Weit über 2.000 Jahre hat es danach gedauert, bis ein türkischstämmiger Grieche namens Aristoteles erkannte, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann. Er hat einen Unterschied gemacht zwischen Ökonomie, der Vorsorge des gütigen Hausvaters, und Chrematistik, der zu verabscheuenden Vorteilsnahme der Geldleute, der Krämer (Wortstamm im Deutschen!), der Händler, die sich sogar machtgierige Herrscher gefügig machen konnten, weil sie in der Lage waren, Geld für deren Beutezüge, die Kriege, zur Verfügung zu stellen. Dafür kassierten sie nicht nur reichlich Zinsen, sondern erkauften sich dazu Privilegien, mit denen sie nicht nur noch reicher wurden, sondern auch Einfluss auf das Regelwerk, die Gesetzgebung erlangten.
Das ist bis heute so geblieben, Geld regiert die Welt.
Der springende Punkt in diesem widersprüchlichen, komplexen Prozess ist das durch das Regelwerk bestimmte, erzwungene Verhalten der Vielen, das es den Reichen ermöglicht, ihre Bereicherung fortzusetzen und ständig zu vervollkommnen. Denn das Regelwerk, die geltenden Gesetze, sind eindeutig zugunsten der Eigentümer, der Geldleute ausgestaltet, weil sie es ihnen erlauben, Naturressourcen zu ihrem Privateigentum zu machen. Mehr noch, die Gesetze unterbinden zugleich die gleichberechtigte Teilhabe der Vielen, vor allem aber der Armen an der profitablen Nutzung der Naturreichtümer.
Der i-Punkt auf dem Problem ist letztlich, dass die Reichen, die Herrscher, auch noch Konkurrenten untereinander in Bezug auf die Naturressourcen sind, Gewalt, Herrschaft und Krieg benutzen, diese Konkurrenz auszuleben, das aber nicht selbst praktisch realisieren müssen, weil sie die Macht haben, von ihnen abhängig gemachte Arme, die Vielen, diese Kriege austragen zu lassen und in ihnen zu sterben. Folgen wie Kindersterblichkeit, Flüchtlingselend, Kriminalität, Menschenhandel, Waffen- und Drogenprofite, Meinungs-, Preis- und Kursmanipulationen durch Angst und Schrecken etc. pp. gar nicht gerechnet.
Als Kern zur Lösung der Probleme stellt sich mir die Frage, woraus die geläufigen Verhaltensmuster resultieren und unter welchen Bedingungen sie sich dauerhaft ändern könnten?
Diese Fragen müssen wir zu beantworten versuchen, wenn wir Friedenmachen lernen wollen.
Höchstwahrscheinlich müssen Prämissen, Bedingungen, muss das Regelwerk geändert werden. Einen Weg dafür zu finden, ist sicher nicht simpel und leicht.
Es dürfte im Konsens, durch Vereinbarung am ehesten möglich sein, nicht durch Gewaltherrschaft und Machtpolitik. Wir sollten es, gewarnt durch die gewaltsamen Gesellschaftsexperimente der jüngsten Vergangenheit, einfach mal friedlich probieren, mit Simulation in Strategiecomputern und Pilotprojekten. Einige Aktivisten haben schon damit angefangen. Die müssen sich vernetzen und ihre Erfahrungen zeitnah austauschen, unser geplanter @dressen-Globus soll dabei helfen.                rto.141109,10

Die Sache mit dem Pazifismus

Frieden machen lernen   5:                      Die Schizophrenie der Übergangsperiode

Jeder Querdenker, der in einer Vorkriegsperiode oder zu Kriegszeiten, die gerade „weit hinten in der Türkei“ stattfinden, für Abrüstung und ein friedliches Miteinander plädiert, wird gern erst einmal als Gutmensch und Pazifist verspottet oder als Utopiker lächerlich gemacht, und von Demagogen sind dabei die Begriffe durchaus als Schimpfwörter gemeint. Ich merk die Absicht, und ich bin verstimmt.
Daher lehne ich es gewöhnlich ab, mich in eine Ismen-Schublade stecken zu lassen. Auf http://keinschaf.de muss ich das daher auch noch korrigieren, obwohl ich die Bezeichnung Pazifist seit vielen Jahren toleriert habe, aber eigentlich bin ich nur paziphil. Denn ich weiß wirklich nicht, ob ich bei einfacher Gewalt die andere Wange hinhalten und bei bedrohlicher nicht zurückschlagen würde, um mich und meine Sippe zu verteidigen.
Das sind sie eben, die üblichen Schwierigkeiten der Friedliebenden in einer Gesellschaft, in einer Welt, in der Gewalt gang und gäbe ist, die anfangs von der Herrschaft, später von Staats wegen verordnet wurde und wird.
Das geht ja nun schon 10.000 Jahre so und vielleicht sogar noch viel, viel länger, 20mal länger. Keine Wunder, dass die meisten denken, das wird immer so bleiben.

Was aber niemals toleriert werden kann, das sind Waffenhandel und -exporte. Solange Kriegswaffen noch auf der Welt sind, sollte sie der Staat behandeln wie Geldscheine, selbst herstellen und selbst verteilen, wer nachmacht oder verfälscht, wer nachgemachte oder verfälschte in Verkehr bringt … , strenge parlamentarische Kontrolle inklusive. Dazu gehört ein Zeitplan für Abrüstung, mit dem das Friedensgebot der UN-Charta in einem arbeitsplatzverträglichen Modus umgesetzt werden kann. So ein Auftrag ist in vielen nationalen Nachkriegsverfassungen explizit niedergeschrieben, s. < http://www.unfor.info/QP.pdf >, auch im Bonner Grundgesetz von 1949.
30 Jahre, also eine Generation, halte ich in Bezug auf so eine makroökonomische Transformation für angemessen. Das gibt Zeit für Konversion.

Dass die vorhandenen Waffen in dieser Zeit auch noch angewendet werden und sogar nur durch ihr Vorhandensein Schaden anrichten, ist die Schizophrenie der Zeit in Perioden des Umbruchs und Übergangs. Die Friedliebenden müssen sich darauf einstellen können und pragmatisch damit umgehen lernen. Ideologie hilft da kaum weiter. Keinesfalls ist die Schlussfolgerung richtig, den Gebrauch vorher exportierter Waffen durch „Feinde“ dann mit dem Export von Waffen an „Freunde“ zu beantworten. Die hinter einem solchen Vorgehen stehenden Interessen und Absichten sind zu durchsichtig, vor allem, wenn sie mit geballter Medienmacht und volkstümlichen Galionsfiguren in Marketing-Manier umgesetzt werden.

Wer Zukunft konstruieren, modellieren und ausprobieren will, sollte sich darüber im Klaren sein, dass ihm seine alten Verhaltensmuster zum Vorwurf gemacht werden. Aber ohne sie ist das Überleben im alten System schwer, fast unmöglich.
Ausnahmen gibt es, Protagonisten auch. < http://www.futurzwei.org/#532-revital > rto.141010,1013