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Frieden muss von Menschen „gemacht“ werden

Friedenmachen lernen    7:                               Natur ist nicht friedlich

Aber Krieg ist kein Naturzustand, kein Normalzustand. Wenn Affen Stöcke benutzen, um andere Affen totzuschlagen, kann man das nicht Krieg nennen. Auch Treiberameisen führen keine Kriege auf ihren Wanderungen.
Natur ist wie sie ist, Wechselwirkungen von Prozessen, mal in Balance, mal nicht. Das Marxsche „Wertgesetz“ ist mit Naturgesetzen nicht vergleichbar, stimmt so auch nicht, Marx hat ökonomische Werte als Kategorie mit der Kategorie Preis vermischt, sogar die Preisdefinition als „Tauschwert“ übernommen und weiter benutzt.

Krieg und Frieden sind keine Naturphänomene. Es sind menschliche Verhaltensweisen, sie können erlernt werden. Sie sind Kombinationen von Verhaltensmustern, einerseits angeboren, andererseits durch äußere Bedingungen geprägt, letzteres in jeder Generation neu.
Wird neues Verhalten lange genug praktiziert, in mehreren Generationen hintereinander, geht es, wahrscheinlich epigenetisch, in das Langzeitgedächtnis von Individuen, Gruppen, Gemeinschaften, Gesellschaften über und erscheint als angeborenes Muster in den Folgegenerationen. So realisiert sich in Teilen Evolution auch, nicht nur durch Mutation. Biologische Strukturen und Organe entwickeln sich durch Gebrauch und Training weiter oder bilden sich durch Nichtgebrauch zurück, z. B. im Gehirn.

In der bisherigen Menschheitsgeschichte wurden überwiegend kriegerische Verhaltensmuster geprägt und praktiziert, weil sie die Bedingung für Herrschaft sind. Das Alleinstellungsmerkmal für Herrschaft ist Gewalt, ein menschliches Verhaltensmuster, wie es so zielgerichtet und planmäßig in der Natur nicht vorkommt.
Es wird aber von Menschen in die Natur projiziert, um ihr herrschaftliches Verhalten zu begründen, psychologisch unterstützt von der Empfindung der Beherrschten, die sich den Kräften der Natur und der Gewalt ihrer Herrscher überwiegend hilflos ausgesetzt und ausgeliefert fühlen, „man kann ja doch nichts machen“.
Auch moderne Demokratien sind Herrschaftssysteme, die Gewalt anwenden, zwar moderiert durch Gewaltenteilung, aber das überkommene Recht mit seinem zählebigen Beharrungsvermögen ist Herrschaftsrecht, das nur ausgleichende Ungerechtigkeit praktizieren kann, wenn überhaupt, denn auf Ausgleich zwischen den wenigen Reichen und den vielen Armen ist das Recht, sind die Regeln bisher nicht bedacht, nicht angelegt. Deshalb benötigen auch moderne Demokratien nach wie vor Soldaten, das sind bezahlte Söldner, wie der Name sagt, in manchen Ländern per Gesetz verpflichtet, in anderen freiwillig, sowie Waffen und Krieg (als Ausbildungspraxis), um mit Machtpolitik ihre Selbsterhaltung zu realisieren.
Dass die herrschenden Eliten Staat und PolitikerInnen auch noch benutzen können, um sich in Kriegen und an steuerfinanzierter Rüstung zu bereichern, die Armen auf Distanz zu halten, sie sogar als Kanonenfutter zu dezimieren, ist ein erwünschter Nebeneffekt und macht Kriege um so schlimmer und um so länger.
Nach dem Krieg ist vor dem Krieg, an Wiederaufbau und Wiederaufrüstung wird wieder verdient – und Herrschaft wird stabilisiert, die eine oder die andere.

Wo Waffen verfügbar und käuflich sind, ist Kriminalität, sind Drogen nicht weit, auch Flüchtlingselend, Notstand, Armut, Krankheit etc. pp. als Kriegsfolgen können zu Profitquellen gemacht werden, Kriegsbeute gar nicht gerechnet. Sogar viele Arme sind bereit zu spenden, wenn die Bilder entsprechend drastisch im Wohnzimmer aufscheinen, weil sie oft anders solidarisch als Reiche denken.

Die systemimmanenten Imbalancen der angebotsorientierten „Märkte“ werden durch die moderne Informationstechnologie erst so richtig lukrativ, wenn Angst und Schrecken durch Krieg und Not psychologisch genutzt werden können, um Kurse und Preise in die gewünschte Richtung zu manipulieren. Krieg war auch in Zeiten, als Realwirtschaft noch dominierte, schon das Überdruckventil für die allfälligen Überproduktionskrisen, nun in der potenzierten Finanzwirtschaft erst recht.

Die Muster unseres Verhaltens werden bestätigt und geprägt von den Eltern, im Kindergarten beim Spiel, in Schule, Gymnasium, College, Studium, Praktikum und Beruf, im Alltag, durch Religion, von Fanatikern, beim Militär, in Film, TV, Computerspielen, Youtube und sozialen Netzwerken sowie von den lieben Mitmenschen und wir wollen sie lernen wie gehabt, weil wir fast alle reich werden wollen und weil wir denken, dass wir dann glücklich sein könnten – werden wir so aber selten.

Ebenso gut, vielleicht besser, könnten wir auch Friedenmachen lernen. Wir müssen es nur wollen – politisch.

(Die Redundanz in den Kolumnen liegt in der Natur der Sache. Ich lerne auch immer weiter dazu und führe dann einige Zusammenhänge etwas mehr aus.)                      rto.141024,27

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Schritt für Schritt

Frieden machen lernen         2:                          Frieden und Krieg

Krieg abschaffen ist eigentlich ganz einfach. Alle Grenzen öffnen -, für Gedanken, Geld, Drogen, Menschen mit Privilegien und vieles andere mehr sind sie heute sowie schon kein Hindernis.
Aber Grenzen absolut dichtmachen für Soldaten, Söldner, Waffen, Munition und alles andere Kriegsgerät. Auch über die Grenze schießen wird verboten, völkerrechtlich!
Politiker werden das von allein nicht bewerkstelligen. Das Volk muss sie zum Jagen tragen.

Friedenmachen ist dagegen viel, viel schwieriger und dauert lange. Es wird Generationen in Anspruch nehmen, das Gedankengut des Krieges aus der Sprache und aus den Köpfen in Vergessenheit geraten zu lassen, die Verhaltensmuster neu zu prägen, von der Konkurrenz zur Kooperation, vom Übervorteilen zum solidarischen Teilen, von der Herrschaft zur Gemeinschaft und so weiter usw.
Schleunigst anfangen müsssen wir dagegen, Friedenmachen zu lernen. Der geschundene Planet hat nicht mehr alle Zeit der Welt.               rto.140217

Es könnte ja sein, dass ein point of no return existiert, an dem die Balance verloren geht, die das kostbare, weil womöglich einzigartige Leben im ganzen Universum auf der Erde garantiert.
In Bezug auf Erdzeitalter ist ein Menschenleben eine geradezu mikroskopisch winzige Zeitspanne, sogar Bäume leben zehnmal länger als Menschen.
Wenn die Balance kippt und dann die in jüngster Vergangenheit durch die Menschen angeschobenen Prozesse Erderwärmung, Selbstzerstörung der humanen Gemeinschaft, das Beutemachen der Menschen im Krieg gegen die Erde u. a., sich selbst verstärkend weiterlaufen, könnte es lange dauern, bis ein neues Gleichgewicht wiedergewonnen wird. Ob das Leben das überlebt, steht in den Sternen. Die Ruinenplaneten um uns herum legen beredt Zeugnis davon ab, wie unwirtlich es jenseits der Erdatmosphäre zugeht.

Krieg und Frieden sind kein Gegensatzpaar. Das Gegenteil von Frieden ist Unfrieden, das Pendant zu Krieg ist Waffenstillstand. Daher ist kein Krieg die Prämisse für Frieden, der erste Schritt. Frieden in Waffen ist ein Widerspruch in sich. Der „Frieden“ seit 1945 war kalter Krieg und ist es immer noch, mit heißen Stellvertreterkriegen, sogar unter NATO-Partnern (Griechenland vs. Türkei) und mitten in Europa, auf dem Balkan.
Es macht darum auch keinen Sinn, Arbeit am Frieden als Kampf gegen Rüstung, Militär und Krieg zu begreifen, wie es noch allen so geläufig ist. Gewalt zog immer schon Gegengewalt nach sich, wie Macht Missbrauch, kann Kampf jemals friedlich sein? Fairer sportlicher Wettkampf vielleicht, Arbeit kann es sicher.

Krieg gegen den Krieg ist nicht zu gewinnen, das zeigen zehntausend Jahre Menschheitsgeschichte. Jeder Sieg war immer auch Niederlage. Rache und Revanche folgten auf dem Fuß.
Machen wir lieber Frieden.                                 rto.140218,0922