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E i n i g t – E u c h !

Friedenmachen lernen    17:                    Nachdenken – Vordenken

„Empört Euch!“ ist nicht mehr aktuell, es hat nicht viel gebracht, bringt immer weniger und wird auch in Zukunft nicht viel bringen.

Die Banken sind nicht die Bösen, die Griechen sind es auch nicht, nicht die Troika, nicht die Kommunisten, nicht der Kapitalismus, die Nazis, die Stasi, die CIA und die NSA, nicht PEGIDA und auch nicht OCCUPY oder wer auch immer, sie alle sind nicht schuld an unserer Misere. Nicht schuldig!

Denn das alles, diese Ismen, Begriffe, Worthülsen, diese Schlagworte und Totschlagargumente sind wir, hinter all dem stecken Menschen wie Du und ich, wir Menschen stecken dahinter, denken uns so etwas aus.

Vor zehntausend Jahren, es kann auch noch länger her sein, ist das Menschenkind in den Brunnen gefallen und hat dann fünftausend Jahre – vielleicht noch länger? – dort gelegen.
Seitdem sagen wir Menschen, das ist so, so muss das. Das ist das Gesetz.

Noch heute liegt das Kind im Brunnen, Leichen im Keller kamen dazu.

Wir haben damals die Erde in Besitz genommen und glauben bis heute, sie wäre unser Eigentum. Wir sagten uns das und schrieben es irgendwann auch auf:
Gott hat sie uns gegeben!
Gott ist ein Herr, ist der Herr – und dem Herrn müssen wir gehorchen. Er ist das Gesetz. Das Gesetz muss erfüllt werden, das ist so.
Wer das Gesetz nicht befolgt, wer es übertritt, der wird bestraft. Der muss in der Hölle schmoren.

Auch der Kaiser ist ein Herr, ein Herrscher. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Er hatte Gewalt über uns, wie Gott. Er wurde oder hat sich als Herrscher gekrönt, mit Gottes Hilfe. Er machte Gesetze und bestrafte uns kleine Menschen, wenn wir das Gesetz nicht befolgten. So ist das.

Irgendwann kam dann Demokratie -, Volksherrschaft? Kann Volk ein Herr sein?
Volkseigentum! Geht ´s noch?
Lassen wir das. Sehen wir das Gesellschaftsexperiment „Volksdemokratie“ doch endgültig als gescheitert an und überlassen es der Geschichtsschreibung.

Die Erfinder der Demokratie waren kluge Bauern, Ackerbürger, sie lebten in Städten, z.B. in Athen. Frauen, Sklaven und Handwerker ohne Grundbesitz, die auf den Höfen zur Miete wohnten, ließen sie außen vor und sagten: Die Herren der Stadt, der Polis, sind jetzt wir, machen wir Politik, Stadtangelegenheiten regeln. Lasst uns Gesetze machen, lasst uns darüber abstimmen, die Mehrheit bestimmt, wer das Recht auf seiner Seite hat, wem die Erde gehört, wessen Eigentum sie ist. Lasst uns Sklaven, Frauen, Handwerker, aber auch unsereins bestrafen, wenn das Gesetz übertreten wird. Wenn Eigentum gestohlen wird, müssen die Strafen am härtesten sein. So war es, so ist es, so muss es sein.

Die Erfinder der Demokratie waren Griechen, sehr kluge Leute, damals -, reiche Bauern.
Ihre Widersacher waren noch reicher, hatten noch viel mehr Grundbesitz als Eigentum, wohnten nicht in der Stadt, sondern auf befestigten Schlössern, ließen Sklaven für sich arbeiten, eigene Knechte und gekaufte Söldner für sich kämpfen, waren richtig große Herren, Oligarchen eben, wie Odysseus mal einer war, sagenhaft.
Gibt ´s auch heute noch, in Griechenland und anderswo.
Reiche Bauern gibt es heute in Griechenland kaum noch, auch sonst gibt es viel Armut und viel Elend, in Griechenland und anderswo.

Irgendwie hat das auch nicht so richtig funktioniert, das mit der Demokratie.

Aristoteles, damals ein sehr, sehr kluger griechischer Gelehrter und Philosoph mit Migrationshintergrund, er stammte nicht aus Athen, seinem Hauptwirkungsort, hielt anno 342v nicht gerade viel von Demokratie und wurde 10 Jahre später folgerichtig zum Lehrer und Erzieher des makedonischen Thronfolgers Alexander, der später der Große genannt wurde, weil er als Feldherr so erfolgreich war.
Demokratie als Staatsform wurde fürs Erste dann mehr als 2000 Jahre lang nicht mehr praktiziert. Als freier Demokrat konnte man nach den griechischen Ursprüngen lange, lange nicht reich werden, das funktioniert erst heute wieder.
Die Gründe dafür sind Eigentum und die Gesetze dafür – das Kind, welches in der Steinzeit in den Brunnen fiel und heute noch im Argen liegt.
Wir Menschen halten unser egoistisches Steinzeitverhalten inzwischen für durch ein Naturgesetz begründet und bemühen uns überhaupt nicht, es zu ändern. Wir versuchen nur, etwas daraus zu machen, durch weitere Regeln und Gesetzestexte in dieser Richtung, sowie durch Ethik, Moral und Charity, die allesamt zur Lösung des Problems nicht beitragen, unwirksam sind, sondern oft das Problem eher verschärfen oder selbst zum Problem werden.

Dabei ist die Erde gar nicht unser Eigentum. Wir benötigen weder Gewalt als Daseinskampf, noch Waffen, Militär und Kriege, in denen wir uns gegenseitig umbringen, wenn wir uns um vermeintliches Eigentum als Beute – Ausbeutung hat da seinen Ursprung – streiten.

Wir sollten endlich unser Gehirn, das uns von der Evolution, von Gott, von wem auch immer so vorzüglich ausgerüstet wurde, zum Denken gebrauchen und nicht dafür, immer mehr Geld anhäufen zu wollen.
Wirtschaftswachstum, in Geld gemessen, ist nichts natürliches, ist eine falsche Regel, die zu Bereicherung anstiftet (Chrematistik, siehe Aristoteles), nicht zu chancengleicher Teilhabe an der nachhaltigen, ökologisch integrierten Nutzung der natürlichen Ressourcen zur Befriedigung der Grundbedürfnisse aller als Menschenrecht, im Einklang mit allen Lebewesen auf dem Planeten.

Empörung reicht nicht, wir müssen uns einigen – auf neue Regeln, die Friedenmachen möglich werden lassen.
Konflikte sind dann womöglich immer noch ubiquitär, Mediation nach wie vor eine notwendige Profession. Aber Frieden wäre nicht Endziel nach langer quälender Sisyphos-Arbeit, sondern der Weg, wenn als Prämisse Rüstungsindustrie, Militär und Waffenhandel abgeschafft sind.

Mit Gutmenschentum hat das nichts zu tun, eher mit Denken, mit Ratio – das bedeutet u.a. auch Rechnung, Berechnung. Computer sind uns da eine große Hilfe, die alten Griechen hatten so etwas noch nicht.
Dann sollte es bei uns nun endlich auch mal klappen mit der Demokratie.
rto.150322,0416

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Frieden muss von Menschen „gemacht“ werden

Friedenmachen lernen    7:                               Natur ist nicht friedlich

Aber Krieg ist kein Naturzustand, kein Normalzustand. Wenn Affen Stöcke benutzen, um andere Affen totzuschlagen, kann man das nicht Krieg nennen. Auch Treiberameisen führen keine Kriege auf ihren Wanderungen.
Natur ist wie sie ist, Wechselwirkungen von Prozessen, mal in Balance, mal nicht. Das Marxsche „Wertgesetz“ ist mit Naturgesetzen nicht vergleichbar, stimmt so auch nicht, Marx hat ökonomische Werte als Kategorie mit der Kategorie Preis vermischt, sogar die Preisdefinition als „Tauschwert“ übernommen und weiter benutzt.

Krieg und Frieden sind keine Naturphänomene. Es sind menschliche Verhaltensweisen, sie können erlernt werden. Sie sind Kombinationen von Verhaltensmustern, einerseits angeboren, andererseits durch äußere Bedingungen geprägt, letzteres in jeder Generation neu.
Wird neues Verhalten lange genug praktiziert, in mehreren Generationen hintereinander, geht es, wahrscheinlich epigenetisch, in das Langzeitgedächtnis von Individuen, Gruppen, Gemeinschaften, Gesellschaften über und erscheint als angeborenes Muster in den Folgegenerationen. So realisiert sich in Teilen Evolution auch, nicht nur durch Mutation. Biologische Strukturen und Organe entwickeln sich durch Gebrauch und Training weiter oder bilden sich durch Nichtgebrauch zurück, z. B. im Gehirn.

In der bisherigen Menschheitsgeschichte wurden überwiegend kriegerische Verhaltensmuster geprägt und praktiziert, weil sie die Bedingung für Herrschaft sind. Das Alleinstellungsmerkmal für Herrschaft ist Gewalt, ein menschliches Verhaltensmuster, wie es so zielgerichtet und planmäßig in der Natur nicht vorkommt.
Es wird aber von Menschen in die Natur projiziert, um ihr herrschaftliches Verhalten zu begründen, psychologisch unterstützt von der Empfindung der Beherrschten, die sich den Kräften der Natur und der Gewalt ihrer Herrscher überwiegend hilflos ausgesetzt und ausgeliefert fühlen, „man kann ja doch nichts machen“.
Auch moderne Demokratien sind Herrschaftssysteme, die Gewalt anwenden, zwar moderiert durch Gewaltenteilung, aber das überkommene Recht mit seinem zählebigen Beharrungsvermögen ist Herrschaftsrecht, das nur ausgleichende Ungerechtigkeit praktizieren kann, wenn überhaupt, denn auf Ausgleich zwischen den wenigen Reichen und den vielen Armen ist das Recht, sind die Regeln bisher nicht bedacht, nicht angelegt. Deshalb benötigen auch moderne Demokratien nach wie vor Soldaten, das sind bezahlte Söldner, wie der Name sagt, in manchen Ländern per Gesetz verpflichtet, in anderen freiwillig, sowie Waffen und Krieg (als Ausbildungspraxis), um mit Machtpolitik ihre Selbsterhaltung zu realisieren.
Dass die herrschenden Eliten Staat und PolitikerInnen auch noch benutzen können, um sich in Kriegen und an steuerfinanzierter Rüstung zu bereichern, die Armen auf Distanz zu halten, sie sogar als Kanonenfutter zu dezimieren, ist ein erwünschter Nebeneffekt und macht Kriege um so schlimmer und um so länger.
Nach dem Krieg ist vor dem Krieg, an Wiederaufbau und Wiederaufrüstung wird wieder verdient – und Herrschaft wird stabilisiert, die eine oder die andere.

Wo Waffen verfügbar und käuflich sind, ist Kriminalität, sind Drogen nicht weit, auch Flüchtlingselend, Notstand, Armut, Krankheit etc. pp. als Kriegsfolgen können zu Profitquellen gemacht werden, Kriegsbeute gar nicht gerechnet. Sogar viele Arme sind bereit zu spenden, wenn die Bilder entsprechend drastisch im Wohnzimmer aufscheinen, weil sie oft anders solidarisch als Reiche denken.

Die systemimmanenten Imbalancen der angebotsorientierten „Märkte“ werden durch die moderne Informationstechnologie erst so richtig lukrativ, wenn Angst und Schrecken durch Krieg und Not psychologisch genutzt werden können, um Kurse und Preise in die gewünschte Richtung zu manipulieren. Krieg war auch in Zeiten, als Realwirtschaft noch dominierte, schon das Überdruckventil für die allfälligen Überproduktionskrisen, nun in der potenzierten Finanzwirtschaft erst recht.

Die Muster unseres Verhaltens werden bestätigt und geprägt von den Eltern, im Kindergarten beim Spiel, in Schule, Gymnasium, College, Studium, Praktikum und Beruf, im Alltag, durch Religion, von Fanatikern, beim Militär, in Film, TV, Computerspielen, Youtube und sozialen Netzwerken sowie von den lieben Mitmenschen und wir wollen sie lernen wie gehabt, weil wir fast alle reich werden wollen und weil wir denken, dass wir dann glücklich sein könnten – werden wir so aber selten.

Ebenso gut, vielleicht besser, könnten wir auch Friedenmachen lernen. Wir müssen es nur wollen – politisch.

(Die Redundanz in den Kolumnen liegt in der Natur der Sache. Ich lerne auch immer weiter dazu und führe dann einige Zusammenhänge etwas mehr aus.)                      rto.141024,27

Verhalten ist zur Hälfte angeboren

Frieden machen lernen      4:            Verhalten – Verhältnisse

Alle bisherigen Formen menschlichen Zusammenlebens in Gesellschaften waren und sind Gewaltherrschaft auf der Grundlage von Macht, von Machtpolitik.
Auch die moderne Demokratie ist so ein System, Militär und Kriege inklusive.
Gewalt bleibt Gewalt, auch wenn sie geteilt ist. Macht bleibt Macht, auch wenn sie den Besitzer wechselt und egal, ob sie auf Geld, auf Staat und Regel/Gesetz, auf Privileg oder irgend einem anderen Grund beruht.
Und Herrschaft bleibt Herrschaft, auch wenn sie von Frauen ausgeübt wird.

Immer herrschen Minderheiten, Machtmissbrauch ist nur allzu menschlich und da­her systemimmanent. Dies führt dazu, dass sich Interessen von Minderheiten trotz des heutigen Mehrheitsprinzips in aller Regel durchsetzen können, weil das Verhal­ten der Mehrheit Herrschaft traditionell erst einmal toleriert. Die Mechanismen da­für sind sehr komplex und werden von der Mehrheit nicht durchschaut, ja nicht einmal reflektiert, weil ihr die Informationen dazu nicht zur Verfügung stehen, ihr überwiegend systematisch vorenthalten werden.

Beim Entwurf und der Konstruktion künftiger alternativer Gesellschaftsmodelle ist sehr wahrscheinlich der Verhaltensaspekt ein springender Punkt, an dem bisherige Gesellschaftsexperimente gescheitert sind.

Das Verhalten der Vielen bestimmt die gesellschaftlichen Verhältnisse. Sie lassen sich zugunsten von Minderheiten zielgenau regeln und manipuleren, solange da­durch entsprechend bewährte Verhaltensmuster der Mehrheit induziert und aufrecht erhalten werden können. Das geschieht bewusst und unbewusst, vordergründig und im Hintergrund, selten geheim, ist vorrangig zweckdienlich und interessengeleitet.

Verhaltensmuster sind eine zählebige Angelegenheit, da sie auf der einen Seite angeboren sind, andererseits durch Prägung und Erziehung bestätigt oder modifiziert werden können.
Die Evolutionsforschung auf diesem Gebiet beschäftigt sich vorwiegend erst mit dem Tierverhal­ten, was Menschen betrifft, steckt sie noch in den Kinderschuhen. Praxisrelevante Ergebnisse sind rar.
Soviel aber scheint sicher zu sein, geänderte Verhaltensmuster müssen über mehr als 2 Genera­tionen weiter geprägt und bestätigt werden, ehe sie bei den Nachkommen als angeboren in Er­scheinung treten (Peter Berthold 1999, Evolutionsforschung Ornithologie) .
Aus dem eingangs gesagten ergibt sich damit eine zwanglose Erklärung dafür, dass unser Grund­verhalten heute noch aus der Steinzeit zu stammen scheint, dass in kritischen Situationen die Tünche der Zivilisation bei unsereins umgehend abfällt und Raubtier, Beutegreifer, Leichenfled­derer und Aasfresser zum Vorschein kommen, jedenfalls bei vielen, nicht bei allen.
Erklärt scheint auch, dass die nur 40jährige Prägung von Deutschen in gar nicht einmal so unter­schiedlichen Gesellschaftssystemen, die aber am Ende doch die offensichtliche Kategorisierung dem Verhalten nach in Ossis und Wessis erlaubte, nach 25 Jahren „Zusammenwachsen“ schon wieder fast aufgehoben ist, wäre da nicht die von den Herrschenden wahrscheinlich bewusst auf­recht erhaltene unterschiedliche finanzielle Ausstattung der beiden Regionalgruppen, was Löhne, Renten, Sozialleistungen u. a. betrifft, die uns Ossis womöglich daran erinnern soll, dass wir uns einst mit dem „falschen“ Gesellschaftsmodell identifiziert, es zumindest toleriert haben.                                rto.140826