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Regelwerk ändern

Friedenmachen lernen      9:                Haben oder Sein

Der in nicht enden wollender Abfolge zitierte Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, auf seine Grundelemente hin untersucht, stellt sich als viel älter heraus, als es der Kapitalismus je sein könnte. Er ist dann der Widerspruch zwischen den Vielen, die nichts oder gar nichts haben und sich alltäglich verdingen müssen, um ihre Kinder satt zu kriegen, im Leben zu halten, groß werden zu lassen – und den Wenigen, die Eigentum und die Macht haben, den Vielen zu sagen, was sie tun sollen, tun müssen.
Es ist der Grundwiderspruch zwischen Haben und Sein, zwischen Reich und Arm, Kooperation und Teilhabe, Gesellschaft und Gemeinschaft, zwischen Herrschaft durch Gewalt, Macht und Beherrschten, Meistbegünstigung und Solidarität, zwischen dem privaten Zugriff auf alle Naturressourcen und Lohnabhängigkeit.
Der Kapitalismus im engeren Sinne ist dabei nur eine Etappe der technologischen Evolution, deren letztes Stadium der neoliberale Finanzkapitalismus als Folge der industriellen IT-Revolution ist, die ihn am Ende auch ad absurdum führen wird.

Der Samen, aus dem Kapitalismus keimte, wurde vor 5.000 Jahren gelegt, als in Mesopotamien Geld, Kredit und Zins erfunden worden war, als das Fundament für „Märkte“ gegründet wurde.
Weit über 2.000 Jahre hat es danach gedauert, bis ein türkischstämmiger Grieche namens Aristoteles erkannte, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann. Er hat einen Unterschied gemacht zwischen Ökonomie, der Vorsorge des gütigen Hausvaters, und Chrematistik, der zu verabscheuenden Vorteilsnahme der Geldleute, der Krämer (Wortstamm im Deutschen!), der Händler, die sich sogar machtgierige Herrscher gefügig machen konnten, weil sie in der Lage waren, Geld für deren Beutezüge, die Kriege, zur Verfügung zu stellen. Dafür kassierten sie nicht nur reichlich Zinsen, sondern erkauften sich dazu Privilegien, mit denen sie nicht nur noch reicher wurden, sondern auch Einfluss auf das Regelwerk, die Gesetzgebung erlangten.
Das ist bis heute so geblieben, Geld regiert die Welt.
Der springende Punkt in diesem widersprüchlichen, komplexen Prozess ist das durch das Regelwerk bestimmte, erzwungene Verhalten der Vielen, das es den Reichen ermöglicht, ihre Bereicherung fortzusetzen und ständig zu vervollkommnen. Denn das Regelwerk, die geltenden Gesetze, sind eindeutig zugunsten der Eigentümer, der Geldleute ausgestaltet, weil sie es ihnen erlauben, Naturressourcen zu ihrem Privateigentum zu machen. Mehr noch, die Gesetze unterbinden zugleich die gleichberechtigte Teilhabe der Vielen, vor allem aber der Armen an der profitablen Nutzung der Naturreichtümer.
Der i-Punkt auf dem Problem ist letztlich, dass die Reichen, die Herrscher, auch noch Konkurrenten untereinander in Bezug auf die Naturressourcen sind, Gewalt, Herrschaft und Krieg benutzen, diese Konkurrenz auszuleben, das aber nicht selbst praktisch realisieren müssen, weil sie die Macht haben, von ihnen abhängig gemachte Arme, die Vielen, diese Kriege austragen zu lassen und in ihnen zu sterben. Folgen wie Kindersterblichkeit, Flüchtlingselend, Kriminalität, Menschenhandel, Waffen- und Drogenprofite, Meinungs-, Preis- und Kursmanipulationen durch Angst und Schrecken etc. pp. gar nicht gerechnet.
Als Kern zur Lösung der Probleme stellt sich mir die Frage, woraus die geläufigen Verhaltensmuster resultieren und unter welchen Bedingungen sie sich dauerhaft ändern könnten?
Diese Fragen müssen wir zu beantworten versuchen, wenn wir Friedenmachen lernen wollen.
Höchstwahrscheinlich müssen Prämissen, Bedingungen, muss das Regelwerk geändert werden. Einen Weg dafür zu finden, ist sicher nicht simpel und leicht.
Es dürfte im Konsens, durch Vereinbarung am ehesten möglich sein, nicht durch Gewaltherrschaft und Machtpolitik. Wir sollten es, gewarnt durch die gewaltsamen Gesellschaftsexperimente der jüngsten Vergangenheit, einfach mal friedlich probieren, mit Simulation in Strategiecomputern und Pilotprojekten. Einige Aktivisten haben schon damit angefangen. Die müssen sich vernetzen und ihre Erfahrungen zeitnah austauschen, unser geplanter @dressen-Globus soll dabei helfen.                rto.141109,10

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