Die Guten und das Böse

Medienmacht entsteht durch „Politisches Framing“ (Elisabeth Wehling), beeinflusst die öffentliche Meinung über das Unbewusstsein. Denkfehler dabei aber sind im wahrsten Sinne des Wortes „verHeerend“.

Besonders krass ist das, wenn es um unsere Zukunft geht, die Kinder, und wenn die sterben. Ich war 1965 – 2000 Kinderarzt im Osten, verstehe mich als ihr Anwalt und Strafverteidiger, auch wenn sie dann strafmündig werden -, denn sie tragen keine Schuld. Die tragen wir Erwachsenen. Waffen und Krieg fressen das Brot der Ärmsten.

Krieg verurteilt Kinder zur Todesstrafe. Tag für Tag werden weltweit fast 15.000 Urteile vollstreckt. 600 je Stunde, 10 -12 in der Minute. Ich weiß das, denn als ich 1992/94 „arbeitslos“ war, wurde ich UNICEF-AG-Leiter. Ohne Arbeit, das geht gar nicht. UNICEF führt seit langem Statistiken über Kindersterblichkeit unter 5 Jahren. Hier was zur Säuglingssterblichkeit unter 1 Jahr in Syrien gegenüber Irak 2017, die im Irak je 10.000 Einwohner mit 1.425.000 Fällen doppelt so hoch war, wie in Syrien mit 310.800 toten Säuglingen. Ki-1Ja_Irak-SYRIEN+ . Die Zahlen stammen allerdings nicht von UNICEF. Der Deutschland-Geschäftsführer und Spendenverwalter  fokussiert in Berlin momentan, wie die gesamte westliche imbedded Medienmacht auf Syrien und gegen Russland.

Anfang 1988 war es, glaub ich, hatte ich mich in Berlin bei UNICEF-DDR beworben. Ja, das gab´s. Sie waren beliebt, denn sie verkauften die gleichen attraktiven Grußkarten, wie im Westen, sehr preiswert, für billige Alu-Mark. Der vornehm, aber auch gemütlich wirkende alte Herr, ein pensionierter Regierungsrat aus dem Außenministerium, empfing mich freundlich. Meine kinderärztliche Arbeit in den Spezialitäten Asthma und Allergie interessierte ihn. Dass wir die Jahreskontigente an West-Importmedikamenten und Kinderkuren auf einer jugoslawischen Adria-Insel sowie auf Cypern in einer Arbeitsgruppe aus zwei Bezirkskrankenhäusern (die Schweriner waren schon damals was Besseres und hielten sich raus, verwalteten ihr, vom Ministerium zugewiesenes Kontingent selbst) und zwei Uni-Kinderkliniken gerecht und auf die Schwere der einzelnen erkrankten Kinder bezogen unter den Spezialisten in den Kreis-Polikliniken (heutigen Medizinischen Zentren vergleichbar)aufteilten, freute ihn richtig.

Als ich ihm aber von unserer 3%-Idee zur Reduzierung der weltweiten Militärausgaben erzählte, winkte er ab. Da wäre UNICEF die falsche Adresse. Sie müssten streng unpolitisch wirken. Sonst hätten die Nothilfe-Teams keine Chance, in die Krisengebiete einreisen zu dürfen und der Nachschub an Hilfsgütern wäre dann auch nicht gewährleistet. Wir schieden in aller Freundschaft.

Ich lese auch die jährlichen Berichte von SIPRI aus Stockholm über die militärische Weltlage und die Militärfinanzen. 1960 – 65 war ich Parteiloser auch mal Militärarzt in einem Infanterie-Regiment, mot. Schützen hießen die in der Nationalen Volksarmee. Wenn wir bei den Manövern mit dem Feldlazarett im Dreck lagen, ja, arme Lazarussen gab es auch bei den Ost-Kriegern, fuhren die NVA-Muschkoten in Fußlappen und Knobelbechern anfangs noch auf T34-Panzern aufgesessen, die schon den Großen Vaterländischen Krieg mitgemacht hatten, notdürftig mit ihren Zeltplanen bedeckt und von Gasmasken „besch …“ beschützt, mitten durch die als kontaminiert markierten Sandwüsten der Lübthener Walachei. Aber die T34 fuhren auch öfter unter der Elde durch, mit dünnen, langen, drahtverspannten Tauchrohren für Zuluft und Abgase, jede Ritze mit Stauferfett zugeschmiert. Wenn der alte Motor mitten im Flüsschen den Geist aufgab, war unten zwischen den Ketten-Fahrwerken eine Luke, die geöffnet wurde um den Panzer zu fluten. Mit ihren hinderlichen Minuten-Tauchrettern verließen die „4 Panzersoldaten und ein Hund“ (so hieß später eine lustige TV-Serie aus Polen, die bei Reservisten und nicht so anspruchsvollen Halbwüchsigen beliebt war), das havarierte Fahrzeug und schwammen ans Ufer. Jedes Mal wieder ein Erlebnis für die „Medizinische Sicherstellung“, denn das wurde natürlich regelmäßig 2mal jährlich geübt, wenn die „Neuen“ ausgebildet werden mussten. Das erledigten für das Lazarett Sanitätsfeldwebel und Feldschere im Offiziersrang, während ich als Regimentsarzt im Stabszelt mit dem Chemiker des Dekontaminationstrupps über den Geländekarten die Verluste durch die Atomschläge ausrechnen musste. Die waren dort, von den die Manöver leitenden Offizieren aus Divisions- und Armeestab, als möglich oder wahrscheinlich eingezeichnet worden. Manchmal so reichlich, dass wir, in den knapp bemessenen Zeiten bis zum Rapport, immer alle Hände voll zu tun hatten. So sollten wir kaum auf dumme Gedanken kommen.

Als ich jedoch später bei den jährlichen Reservistenübungen in den 70ern  zu Zeiten von Nachrüstung und Nachnachrüstung in geheimen  sowjetischen Lehrfilmen, im Westfernsehen in geleakten Dokumentationen sah, dass beide Seiten, die SU-Freunde und US-Klassenfeinde  gleichermaßen bei den Atomtests ihre niederen Personal-Chargen praktisch ungeschützt  der radioaktiven Strahlung zu kalkulierten Versuchszwecken ausgesetzt hatten, war ich endgültig bedient von Militär und „Frieden“ durch Abschreckung. Die Leidtragen sind die vielen „kleinen Leute“ in der Welt, die Soldaten, das Kanonenfutter, die in der Masse hauptsächlich aus solchen, ziemlich unfair benannten, „bildungsfernen“  Schichten kommen. UvD Leyen plagt sich schließlich, wenn auch selbstverschuldet,  mit derselben Verwaltung des Mangels herum, wie wir in den 60er/70ern. Bis das System Ende der 80er endgültig an seinen Rüstungsausgaben erstickte, wie an Gefressenem in der falschen Kehle.

Jedoch  –  die Hauptleidtragenden sind die Kinder der armen 2/3 – Welt. Deren Sterblichkeit unter 5 Jahren stagniert quasi auf hohem Niveaui seit dem „Krieg gegen den Terror“, der Terroristen noch und noch erzeugt, staatliche und private. Die Statistikzahl beträgt rund 6 Millionen tote Kinder jährlich. Die Milleniumsziele, Mitte der 90er bei den Vereinten Nationen berechnet und 2000 für 2015 ausgerufen, die Zahlen von 1990 auf ein Drittel zu senken, wurden bei der Abrechnung um Längen, viele, viele Millionen verfehlt. Jährlich wächst der Berg über der Plankurve um weitere 5 -6 Millionen. Das muss man ins Verhältnis setzen, zu den täglichen Horrormeldungen in den Mainstream-Medien mit den geframten schlimmen laufenden Bildern.

Ich kann mich noch an die Begriffe im Kalten Krieg erinnern, da wurde die Propaganda der Realsozialisten immer mit „tendenziös“ tituliert. Ein westlich eleganter Ausdruck für den östlich robusten Holzhammer, ähnlich wie die alten T34. Die haben aber schließlich die Hauptlast beim blutigen Sieg über den Faschismus getragen, der Raubtiervariante einer mit Kriegslogik betriebenen Marktwirtschaft.

Das Abendland und die Scheichs im Morgenland, in Geheimabkommen verbunden, haben sich dumm und dusselig verdient, am Weltkrieg und am Wettrüsten des Kalten Krieges. Der hat länger als der 30jährige gedauert und hat rd. 1 Milliarde Kinder vor der Zeit das Leben gekostet. Die Investitionen des Marshall-Plans und Ludwig Erhards durchaus nicht widerständische, schon seherisch im Krieg bei den Faschisten erdachte Soziale Marktwirtschaft haben das Wirtschaftswunder erzeugt, für 2 Jahrzehnte Vollbeschäftigung! Es war ja alles zerstört. Im Osten wurde vieles, was noch brauchbar war, als Wiedergutmachung und Reparation abtransportiert, auch ganze Bahngleise von Nebenstrecken. Sogar Gastarbeiter mussten her. Im Westen Italiener und Spanier. Die eigenen Lohnsklaven, denen es immer besser ging, wollten naturgemäß immer mehr und schmälerten die Prozente.

Der Uranbergbau im Osten holte Ungarn und belgische Gelenkbusse ins Land. Eine völlig Sozialismus-untypisches Joint Venture: Deutsch-Sowjetische Wismut Aktien Gesellschaft, mit einem wilden Völkchen von Bergleuten als Arbeiterklasse in Güterzügen hinter offenen Schiebetüren und auf dem Dach. Später in den belgischen Bussen. Ab 1950 war ich täglich Fahrschüler zur Oberschule in der Kreisstadt, erlebte auf dem Bahnhof und Nachhauseweg talein, bergauf, so manches, was mich erschreckte. Von 1954 an studierte ich als Nicht-Arbeiterklasse Medizin. Zuvor war ich mit dem Fahrrad über die Berge in die Kreisstadt gefahren und hatte den Direktor Bellmann der Oberschule kontaktiert, einen Vorkriegs-SPD-Genossen, der von den Nazis verfolgt worden, aber davon gekommen war. Er riet mir, den naturwissentlichen Zweig zu belegen, ab er 10. hätten wir dann auch Latein und das kleine Latinum würde reichen, um die medizinische Fachsprache zu erlernen. Ein guter Rat, den ich befolgte.

Hinter dem Eisernen Vorhang ging es auch bergauf, dem ersten 2-Jahr-Plan folgten 5-Jahr-Pläne. Die Ostdeutschen hängten die Westdeutschen bei der Säuglingssterblichkeit ab und drängten mit Dumpingpreisen in den Weltmarkt um Devisen, versuchten den Kapitalismus mit seinen eigenen Tricksereien auszuhebeln, „überholen ohne einzuholen“, und verhoben sich dabei. Milliardenkredite zwangen sie in die Knie. Im Inneren verbaten sich Machtmenschen und Militärs einen zu egalitären Umgang mit einander. Das Verhältnis zwischen Nomenklatura-Funktionären und Chauffeuren nahm nahezu feudalistische Formen an und oft wurden die Abhängigen nicht anders behandelt, als bei den „Feinden“, wenn auch meist mehr kumpelhaft als hochnäsig.

Nach dem Helsinki-Prozess hatte ich die Staats-Finanzen der DDR auf den Gebieten Gesundheit, Volksbildung und „Verteidigung“ fortlaufend verglichen. Als am Ende des ersten 80er 5-Jahr-Plans die Militärausgaben die der beiden anderen Etats kreuzten und weiter stiegen, schwante mir nichts Gutes. Ich hatte schon lange begriffen, dass Militarisierung und  Aufrüstung nur dem alten System mit seinen Jahrtausende alten, erfahrenen staatlichen Institutionen Gewaltherrschaft und Krieg, auch der Amtskirchen, zur Regulierung der allfälligen Überproduktionskrisen Vorteile bringt, dass ein auf Augenhöhe arbeitendes System von ausgewogener Kooperation und fairem Wettbewerb,  anstatt  privilegierter Vorteilsnahme, Meistbegünstigung und gewalttätiger, tödlicher Konkurrenz, nur in wirklichem , wirksamen Frieden, nicht bei schweigenden Waffen, kaltem Krieg und Rüstungspirale zu Abschreckung auf dem gegenwärtigen, finanziell äußerst aufwendigen Level der Waffentechnologie, Sinn macht. Sozialer Ausgleich braucht Frieden ohne Gewaltstrukturen, die Gegengewalt herausfordern.

Auch wenn heute die Marktpropaganda wesentlich raffinierter und durch finanzkräftige Thinktanks und Netzwerke ausgeklügelt sehr effektiv, über die neuen Medien von Big Data unterfüttert, in kaum zu überschauender Art und Weise untergründig vor sich geht, müsste eigentlich auch Langsam-Denkern klar werden:

In der gleichen Minute 10 Kinder sterben zu lassen, weil Brot und Infrastruktur fehlen, junge Eltern keine Arbeit und kein Geld haben, das zu verhindern, aber umgerechnet minütlich global 3.000.000 $ Steuergelder für Militär und Krieg vorzusehen und auszugeben, das auf 15 Jahre  im voraus zu planen,  zu propagieren den heutigen Betrag von 1,3% des NATO-Ziels von 2% des Bruttoinlandsproduktes anteilig  in Deutschland eher über kurz, als über lang fast zu verdoppeln, um das 5. Land zu sein, das es geschafft hat (2017: USA 4,4%, Großbritannien 2,4%, Griechenland 2,3%, Estland 2,0%; Quelle: Handelsblatt, Freitag 18. März 2018) -, das zeugt schonnn von einer gewissen Chuzpe der UvD Leyen.

Dieses Denken steht in keinerlei gesundem Verhältnis zum Status der Biosphäre in Voraussicht des Worst Case der Klimakatastrophe mit steigenden Meeresspiegeln. Auf Dauer wird es einfach nicht gut gehen können.

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