OFFENER BRIEF AN DIE FRIEDENSBEWEGTEN

Friedenmachen aktuell: Minderheitenvotum – Netzwerk III

Der Kampf gegen Atomwaffen, hervorgegangen aus einer starken Ostermarsch-Bewegung zu Zeiten der West-Ost-Blockkonfrontation, angefeuert durch die Proteste gegen den Vietnam-Krieg weltweit sowie der Kampf gegen Rüstung und Krieg überhaupt, sind und waren immer wichtig und notwendig, weil die meisten Menschen leichter für Kampf gegen etwas zu mobilisieren sind, als für die Mühsal von Sisyphus-Arbeit in den tagtäglichen „Mühen der Ebenen“.
Das Gemeinschaftsgefühl, welches Kampagnen und Demos erzeugen, ist nicht zu unterschätzen.
Wenn die Friedensbewegung jedoch heute bilanzieren müsste, so ist keines der Ziele, die nach dem schrecklichen 2. Weltkrieg formuliert worden waren, auch nur zeitweise erreicht worden. Die Wege zum Frieden, die in der UN-Charta und in einer Reihe von nationalen Nachkriegs-Verfassungen aufgezeigt wurden, sind in Wirklichkeit nie beschritten worden.
Im Gegenteil – Aufrüstung und der kalte Krieg um die Vorherrschaft durch das westliche oder das östliche Imperium kennzeichneten das Klima in der Welt mit vielen Stellvertreterkriegen um Ressourcen, Macht und Einfluss. Auch den beim Gedenken nach 100 Jahren an den Beginn des 1. Weltkrieges vielbeschworenen 70-jährigen Frieden in Europa hat es trotz des Zustandekommens der Europäischen Union mit den Verträgen von Rom nicht gegeben. Sogar die beiden NATO-Mitglieder Griechenland und Türkei haben um Zypern Krieg geführt und ihre nationalen Grenzen durch diese Insel gezogen. Die NATO hat den Balkan erobert und US-Militärstützpunkte bis an die Grenzen Russlands und Chinas vorgeschoben.
1961 hatte der scheidende Präsident der USA, Dwight D. Eisenhower, in seiner Abschiedsrede ausdrücklich vor dem militärisch-industriellen Komplex gewarnt, dessen komplexer Einfluss ihm als erfahrenen Militär, Weltkriegs-General, Generalstabschef und Oberbefehlshaber zur Genüge bekannt war.
Heute hat man nachgerade den Eindruck, dass dieser nun globale MIK inkl. der dazugehörigen und untereinander durch Doppel-Informanten und -Agenten vernetzten Dienste und Special Forces bei aller Konkurrenz sich auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt hat: Nicht zuzulassen, dass jemals generelle Abrüstung in Gang kommt.
Denn aus Steuergeldern finanzierte Rüstungsproduktion und Waffenkonsum durch Militär und Krieg sind das Überdruckventil einer durch Überproduktionskrisen geschüttelten angebotsorientierten Marktwirtschaft und ganz nebenbei auch das Instrument, um den Zugriff auf die notwendigen Naturressourcen und Rohstoffe zu sichern, in Beutegreifer-, Glücksspieler- und Revolverhelden-Manier a la Hollywood.
Inzwischen ist Geld zur schärfsten Waffe geworden, jede andere ist dafür käuflich.
Kein Wunder, dass die Umsätze in der Finanzindustrie die der Realwirtschaft und der zugehörigen Dienstleistungen schon Ende der 90er Jahre um das 100fache übertrafen und infolge der IT-Revolution heute soviel in Computern erzeugtes virtuelles Geld samt seiner Derivate nahe Lichtgeschwindigkeit in Kabel- und Satelliten-Netzwerken um den Globus kreist, sich im automatisierten Hochfrequenz-Handel mit in der Potenz wachsenden Geschwindigkeiten so vermehrt, dass menschliche Hirne sich das nicht mehr vorstellen können und deshalb verdrängen.
Wird schon gut gehen, Reichtum hat noch keinem geschadet?
Die Regeln und Privilegien dafür schaffen Lobbyisten und Politiker in den Regierungen. Das Ganze riecht nicht nur nach, sondern ist staatlich organisierte Kriminalität durch eingebaute Gesetzeslücken, bewusste Nichtverfolgung von Wirtschafts-Straftaten, aber auch unmittelbar straflos ganz direkt, nebst der Fortsetzung von Wirtschaftspolitik mit geheimdienstlichen und militärischen Mitteln, mit Krieg eben.
Die Folgen sind alle Arten von privat organisierter Kriminalität. In den grauen informellen Märkten von Drogen-, Waffen-, Menschenhandel etc. realisiert sie ihre Praxis inklusive Geldwäsche. Flüchtlingselend infolge Krieg, resultierende, aber auch mit Hilfe von öffentlich-rechtlichen wie privaten Medien samt „Social Media“ wie Unterhaltungs-Industrie künstlich und programmiert geschürte Unsicherheit werden schamlos und gegen jedwede Sitte, Moral und Ethik verstoßend bis zum Gehtnichtmehr ausgenutzt – z.B. bei der feindlichen Übernahme des privaten Schleusergeschäftes in der Türkei durch den Staat, die wegen der Flüchtlingsproblematik aus politischen Gründen von der EU mit hohen Summen aus Steuergeldern honoriert wird.
Kleinasien ist sowieso seit jeher Transitroute für Waffen in Krisengebiete hin und Drogen aus dem Goldenen Dreieck, Mittelasien, Afghanistan etc. bis China zurück nach Europa. Gewaschenes Geld aus diesen Geschäften war seit langem Bestandteil des türkischen Staatshaushaltes, wie die WELT schon in den 90er Jahren zu berichten wusste. Heute kommt noch das Öl dazu, das der IS mit riesigen Tanklaster-Kolonnen aus dem Irak nach Europa verschiebt, uns einen billigen Spritpreis bescherend und was immer auch noch. Die Problematik ist sehr, sehr komplex – doch Unsicherheit durch Krieg ist am Ende der Beweiskette immer wieder auszumachen.
Sie ist jedoch durch Kampf gegen Krieg, Rüstung und Atomwaffen allein, oder gar durch „Krieg gegen den Terror“, der im Gegenzug immer mehr Terroristen und Terror erzeugt, nicht zu bewältigen.

Wir benötigen endlich eine andere Strategie der Friedensbewegung mit Projekten von konkreten Utopien, die sich im Kleinen praktisch verwirklichen lassen und wissenschaftlich interdisziplinär begleitet, evaluiert, optimiert, sich hoch skalieren lassen – sie sollten nicht  durch Spenden finanziert werden, um die die einzelnen Gruppen und Organisationen konkurrieren, sondern durch zinslose Kredite in Regionalgeld und Spezialgeld von No-Profit-Gesellschaften und Crowd-Founding, Stiftungen, Genossenschaften und Erzeugergemeinschaften. Diese Friedensproduktion zur Deckung der Grundbedürfnisse muss sich binnen eines überschaubaren Zeitraums unter den Bedingungen einer 20-Stunden-Woche selbst tragen, wer Luxus will, darf länger arbeiten, dieser sollte definiert und die Bedingungen vereinbart werden, wie auch regionale gemeinnützige Arbeit für ein Grundeinkommen der Familien z.B., auch Stadt-Land- Kooperativen zur Nahrungsgüterproduktion und dezentraler Erzeugung und Speicherung von alternativen Energien, die in Dörfern und Ackerbürger-Städten vor sich geht, während städtische Zentren Wissenschaft, Kultur und Innovationen für den ländlichen Raum liefern.
Einzige Prämisse und kleinster gemeinsamer Nenner: Ein Plan für Abrüstung, der von einem völkerrechtlich legitimierten Gremium in kürzester Zeit erarbeitet und in nationalen Referenden, Volksabstimmungen, bei denen Jugendliche nach dem 14. Geburtstag wahlberechtigt sind, mit einfacher Mehrheit beschlossen wird. Ein demokratisches UN-Wahlverfachren nach dem in  D I E   Z W Ö L F vorgeschlagenen Modell sollte das möglich machen.

Bis zu dieser Abstimmung unterbindet eine robuste UN-Task Force jedweden Waffen-, Munitions- und Treibstoffexport in Krisengebiete sowie Regionen, wo schon gewalttätige Auseinandersetzungen stattfinden.
Der endgültige Schritt hinauf auf den Weg des Friedens, den Mahatma Gandhi gemeint hat, wird eine längere Vorbereitungszeit in Anspruch nehmen. Die Transformation des Wirtschaftssystems dazu hat schon lange begonnen. Sie nimmt allmählich Fahrt auf und wird durch die zunehmenden Zwänge beschleunigt, die sich aus Klimawandel und Ressourcen-Knappheit ergeben.

Alle Hochkulturen in der Menschheitsgeschichte sind als temporär große Reiche in einer Periode von Kriegen untergegangen und durch neue Imperien abgelöst worden. Mehrfach haben lachende Dritte das Rennen gemacht.
Wir können das dieses Mal vermeiden, ausreichende Erfahrungen liegen vor und die technischen und soziologischen Möglichkeiten sind so groß wie nie zuvor. Wir haben eine reale Chance, wenn wir endlich klug werden und kooperieren, anstatt in tödlicher Konkurrenz gegeneinander zu kämpfen und letztlich immer wieder Kriege zu führen. Womöglich kann man nur aus eigenen Fehlern lernen, aber davon haben wir Lebenden uns schon zur Genüge geleistet.

Ein letztes Argument: Ein Atomkrieg droht nicht unmittelbar. Die Abschreckung funktioniert. Dem Vernehmen nach hatte die untergegangene Sowjetunion nicht nur den ersten Satelliten im Orbit, sondern auch rechtzeitig vor dem Verbot der oberirdischen Atomwaffenversuche 1963 eine praxisreife „Weltvernichtungsmaschine“ entwickelt, während die Militär-Wissenschaftler der US-Army sich nicht einigen konnten und die beim Test Starfish Prime im Juli 1962 gewonnenen Erkenntnisse im Giftschrank der Pentagon verschwanden.
4 H-Bomben spezieller Bauart (NEMP), in berechneten Positionen mehrere hundert km über der Erdoberfläche zeitgleich gezündet, ionisieren die gesamte Erdatmosphäre. Der entstehende flächendeckende Blitz läuft 10x schneller, als ein Gewitterblitz. Bereits nach 4 ns werden 90 % des Maximalwerts erreicht. Dieser Maximalwert übertrifft in seinen Auswirkungen jedes menschliche Vorstellungsvermögen. Alle elektrischen Sicherungen brechen, jeder nicht „gehärtete“ Schaltkreis, jeder Computer, jedes Smartphone ist dauerhaft unbrauchbar. Das Licht geht aus, jedes zivile Fahrzeug bleibt stehen etc. Die Zivilisation ist erledigt, das Paradies geschlossen.

Das wird keiner riskieren. Aber es gibt Unfälle. Abrüsten und Friedenmachen lernen ist die einzige Alternative. Die vermeintliche Sicherheit durch Aufrüstung ist nicht die Lösung, sondern das Problem.
Militär ist das Restrisiko unseres Heimatplaneten, keine Elite.

rto.170326

 

Advertisements

2 Gedanken zu “OFFENER BRIEF AN DIE FRIEDENSBEWEGTEN

  1. Ich komme auf keine andere Idee als die eines Lehrplans Frieden mit dazu geeigneten Friedenslehrern. Heute früh zogen aber schon wieder Kriegsflugzeuge Kondensstreifen am Himmel lang. Neulich war sogar eine Drohne dabei – erkennbar. Nur obs eine zivile oder militärische war war nicht zu erkennen. Eigentlich häten sie in Neubrandenburg was wissen müssen, aber sie reagierten nicht mal auf Anfrage.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s