Verhalten ist zur Hälfte angeboren

Frieden machen lernen      4:            Verhalten – Verhältnisse

Alle bisherigen Formen menschlichen Zusammenlebens in Gesellschaften waren und sind Gewaltherrschaft auf der Grundlage von Macht, von Machtpolitik.
Auch die moderne Demokratie ist so ein System, Militär und Kriege inklusive.
Gewalt bleibt Gewalt, auch wenn sie geteilt ist. Macht bleibt Macht, auch wenn sie den Besitzer wechselt und egal, ob sie auf Geld, auf Staat und Regel/Gesetz, auf Privileg oder irgend einem anderen Grund beruht.
Und Herrschaft bleibt Herrschaft, auch wenn sie von Frauen ausgeübt wird.

Immer herrschen Minderheiten, Machtmissbrauch ist nur allzu menschlich und da­her systemimmanent. Dies führt dazu, dass sich Interessen von Minderheiten trotz des heutigen Mehrheitsprinzips in aller Regel durchsetzen können, weil das Verhal­ten der Mehrheit Herrschaft traditionell erst einmal toleriert. Die Mechanismen da­für sind sehr komplex und werden von der Mehrheit nicht durchschaut, ja nicht einmal reflektiert, weil ihr die Informationen dazu nicht zur Verfügung stehen, ihr überwiegend systematisch vorenthalten werden.

Beim Entwurf und der Konstruktion künftiger alternativer Gesellschaftsmodelle ist sehr wahrscheinlich der Verhaltensaspekt ein springender Punkt, an dem bisherige Gesellschaftsexperimente gescheitert sind.

Das Verhalten der Vielen bestimmt die gesellschaftlichen Verhältnisse. Sie lassen sich zugunsten von Minderheiten zielgenau regeln und manipuleren, solange da­durch entsprechend bewährte Verhaltensmuster der Mehrheit induziert und aufrecht erhalten werden können. Das geschieht bewusst und unbewusst, vordergründig und im Hintergrund, selten geheim, ist vorrangig zweckdienlich und interessengeleitet.

Verhaltensmuster sind eine zählebige Angelegenheit, da sie auf der einen Seite angeboren sind, andererseits durch Prägung und Erziehung bestätigt oder modifiziert werden können.
Die Evolutionsforschung auf diesem Gebiet beschäftigt sich vorwiegend erst mit dem Tierverhal­ten, was Menschen betrifft, steckt sie noch in den Kinderschuhen. Praxisrelevante Ergebnisse sind rar.
Soviel aber scheint sicher zu sein, geänderte Verhaltensmuster müssen über mehr als 2 Genera­tionen weiter geprägt und bestätigt werden, ehe sie bei den Nachkommen als angeboren in Er­scheinung treten (Peter Berthold 1999, Evolutionsforschung Ornithologie) .
Aus dem eingangs gesagten ergibt sich damit eine zwanglose Erklärung dafür, dass unser Grund­verhalten heute noch aus der Steinzeit zu stammen scheint, dass in kritischen Situationen die Tünche der Zivilisation bei unsereins umgehend abfällt und Raubtier, Beutegreifer, Leichenfled­derer und Aasfresser zum Vorschein kommen, jedenfalls bei vielen, nicht bei allen.
Erklärt scheint auch, dass die nur 40jährige Prägung von Deutschen in gar nicht einmal so unter­schiedlichen Gesellschaftssystemen, die aber am Ende doch die offensichtliche Kategorisierung dem Verhalten nach in Ossis und Wessis erlaubte, nach 25 Jahren „Zusammenwachsen“ schon wieder fast aufgehoben ist, wäre da nicht die von den Herrschenden wahrscheinlich bewusst auf­recht erhaltene unterschiedliche finanzielle Ausstattung der beiden Regionalgruppen, was Löhne, Renten, Sozialleistungen u. a. betrifft, die uns Ossis womöglich daran erinnern soll, dass wir uns einst mit dem „falschen“ Gesellschaftsmodell identifiziert, es zumindest toleriert haben.                                rto.140826

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